Schwarzes Gold

Schauplatz ist ein fiktiver beschaulicher Ort an einem Fluss mit einer Bank, zwei Schulen, fünf Kneipen und 3000 Einwohnern. Die Stadt verkommt zusehends und wird mehr und mehr zur Schlafstadt, aus der die Jüngeren nichts wie weg wollen .

Autorin: Gabriele Caduff

Peter ist eine Kapazität, wenn es darum geht, Öl zu finden. Er vermutet Öl in der Gegend des Städtchens, ausgerechnet in der Nähe des Naturschutzgebietes. Er erzählt Nathalie Killing davon.

Nathalie Killing ist CEO einer grossen Ölfirma. Sie will im verschlafenen Städtchen nach Öl bohren und verspricht den Bürgern Beschäftigung und Wohlstand. Bürgermeister Stett ist begeistert. Doch nicht alle Bürger teilen diese Begeisterung. Michael und sein Grossvater Heinrich haben Angst, dass das Naturschutzgebiet neben dem Ölfeld zerstört und ihr Land dadurch wertlos wird.

An einer Gemeindeversammlung stimmt die Bevölkerung Probebohrungen zu. Es werden Bohrtürme aufgestellt und ins Städtchen kommt neues Leben.

Einige Jahre zuvor hat der Ölarbeiter Joe bei Ölbohrungen in Texas Peter kennengelernt. Peter vertritt eine ganz andere Auffassung, woher Erdöl stammt. Er behauptet, dass Öl im Überfluss vorhanden sei und noch sehr lange nicht ausgehen werde. „Peak Oil“ hält er für ein Märchen, welches die „Sieben Schwestern“ erfunden haben, um den Ölpreis zu manipulieren und die „Neue Weltordnung“ zu etablieren.

Einst lag beschauliche Stille über dem Städtchen, jetzt brausen pausenlos Lastwagen durch die Strassen, schaffen Sand und Chemikalien zu den Fördertürmen, bringen Holz und Zement für den Bau sogenannter „mancamps“. Männerlager, so nennt man die provisorischen Unterkünfte für die Arbeiter, die Bohrloch um Bohrloch graben. Mit dem Öl kommt das Geld.

Das Öl beschert auch Susanne ihren Lebenstraum. Sie eröffnet in der Nähe des Ölfeldes eine Imbissbude. An einem Ort, wo täglich massenhaft hungrige Arbeiter vorbeikommen, ist das eine Goldgrube. Auch Gisela nutzt die Chance und zieht ein Geschäft ganz anderer Art auf.

Lucy und Simona sind die Töchter von Bürgermeister Stett. Während Lucy ihr Glück als Fotomodel in New York sucht, kämpft Simona bei Greenpeace für den Schutz der Arktis. So unterschiedlich sie sonst sind, so gleich schlägt ihr Herz, wenn es um einen bestimmten Mann geht.

»Fracking« heisst die umstrittene neue Methode, mit der im Städtchen Öl gefördert werden soll und von der manche Wissenschaftler befürchten, sie könne Erdbeben hervorrufen und das Trinkwasser verseuchen. Aber mit Umwelt- oder Klimaschutz beginnt man im Städtchen besser kein Kneipengespräch.

Hanna ist Lehrerin und hat vor zwei Jahren ihren Mann bei einem Autounfall verloren. Ihr ganzer Stolz ist ihr Sohn Michael. Mit dem Öl tauchen plötzlich ihre Jugendliebe und die Schatten der Vergangenheit auf.